St. Gallen von oben

Hopp Vegallen!

Auch wenn die Gründe für eine vegane Lebensweise heute auf der Hand liegen, ist vegan zu leben leider immer noch etwas Ungewöhnliches. Erst recht in St. Gallen, der Bratwurst-Stadt im Land des Käses und der Milchwirtschaft. Aber es tut sich was. Ich lebe jetzt seit rund vier Jahren ohne Tierprodukte und kann sagen, dass die veganen Optionen hier stetig zahlreicher und besser werden. Und zwar nicht nur, weil Mirgros und Coop vorwärts gemacht haben, sondern auch, weil sich die Dinge auch direkt vor Ort verändern. Wenn man z.B. auswärts einmal etwas anderes essen möchte als den (gefühlte tausend Mal gehabten) Gemüseteller, muss man schon längst nicht mehr auf das Freitagsmenü im Schwarzen Engel warten. Jedenfalls in der Stadt hat man inzwischen eine echte Auswahl. Einen Eindruck davon vermittelt etwa vegallen.ch unter → Auswärts essen.

Es gibt aber noch viel, viel Luft nach oben. Vor diesem Hintergrund ist aus dem vor einigen Jahren initiierten veganen Stammtisch in St. Gallen Vegallen entstanden. Vegallen ist nun die wachsende unabhängige vegane Bewegung in der Region St. Gallen. Die Idee dahinter ist, dass sich Veganerinnen und Veganer sowie Vegan-Interessierte jeden Alters in der Region vernetzen, Informationen austauschen und mit gezielten Projekten und Aktionen noch mehr Menschen für eine vegane Lebensweise motivieren. Sehr beliebt ist nach wie vor der vegane Stammtisch und auch der neu eingeführte Potluck-Brunch kommt gut an. Beides prima Gelegenheiten, andere vegan Lebende oder Vegan-Interessierte aus der Region zu treffen und neue Leute kennen zulernen. Darüber hinaus veranstaltet Vegallen auch regelmässig Standaktionen und Flyer-Events. Geplant ist noch Vieles mehr, und neue Ideen kommen laufend hinzu. Einen Überblick über die anstehenden Events finden sich hier im → Kalender.

Dass sich die Veganerinnen und Veganer in der Region etwas organisieren, ist eine gute Sache. Wenn man sich entscheidet, vegan zu leben, dann ist man damit in seinem gewohnten Umfeld ja leider meist immer noch allein. Da tut es gut, ab und zu wieder einmal Gleichgesinnten zu begegnen und zu merken, dass man gar nicht so allein ist. Und weil man mit diesen Leuten häufig ganz wesentliche Überzeugungen teilt, wundert es auch nicht, dass aus diesen Begegnungen manchmal sogar enge Freundschaften entstehen. Die vegane Community kann und soll das bisherige Umfeld natürlich nicht ersetzen. Aber sie bereichert es. Und zusammen ist man stärker. So wird eben auch wirkungsvolle Vegan-Förderung möglich: Die gemeinsam organisierten Info-Veranstaltungen, öffentlichen Verköstigungen, Flyer-Events gegen Pelz oder zur Eröffnung der „Chickeria“, Pflanzendrink-Degustationen  am „Tag der Milch“, auch mal ein Grilling without Killing am Bodensee usw. geben schon ordentlich was her, und sie werden in der Bevölkerung auch immer stärker wahrgenommen. Und zwar mit ganz überwiegend positiver Resonanz.

Vegallen ist kein Verein, kein Club oder Business. Mitmachen kann jede und jeder. Wie viel und auf welche Weise auch immer. Teilgenommen oder engagiert haben sich z. B. schon Schülerinnen. Lehrlinge und Studierende, Angestellte und Selbständige, Ingenieure, Medizinerinnen, Pflegerinnen und Lehrer, Berufsschul- wie Uni-Dozentinnen und auch ein Richter. Es ist toll zu sehen, wie die vegane Idee in der ganzen Breite der Gesellschaft Fuss fasst. Bei Vegallen findet jeder Anschluss. Und wer sich gar bei vegan-fördernden Projekten und Aktionen engagieren möchte – helfende Hände und kluge Köpfe sind immer gesucht → Aktiv werden.

Ich hoffe sehr, dass die Bewegung weiterhin so schön wächst und die Vision einer veganen Region St. Gallen einmal wirklich wird. Wer weiss, vielleicht heisst die Olma-Bratwurst ja irgendwann einmal Vegaller Wurst… Warum auch nicht? Vor einigen Jahren hätte ja auch noch niemand gedacht, dass man an einem schönen Abend auf der Drei-Linden-Terrasse den Sonnenuntergang über der Stadt bei einem ausgezeichneten veganen Burger geniessen kann (ohne dabei angeschaut zu werden, als käme man vom Mars). Oder wer hätte gedacht, dass es inzwischen an zentralster Lage, direkt am Bohl ein rein veganes Restaurant gibt, das offenbar auch gut läuft?

Hopp Vegallen!

 

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